Lange Arbeitslosigkeit rechtfertigen

Sehr geehrter Herr Büsing,

Bitte geben sie mir einen Rat wie ich eine längere Arbeitslosigkeit von fast drei Jahren begründen kann, so dass es nicht zu meinem Nachteil wird.

Ich bin Krankenschwester 2008 betriebsbedingt gekündigt worden und anschließend erkrankt bzw. in eine "Sinnkrise“ gefallen, ähnlich einem Burnout. Daraufhin wurde mir von der Arbeitsagentur geraten eine Reha zu beantragen. Das wollte ich zunächst nicht und entschloss mich für eine Weiterbildung. Diese wurde mir von der Arbeitsagentur ausgeredet und ich stattdessen in eine Umschulung gesteckt. Dieses Unterfangen zieht sich nun schon lange und kommt zu keinem erfolgreichen Abschluss. So habe ich mich entschieden wieder in meiner Branche, dem Gesundheitswesen, als Krankenschwester zu arbeiten bzw. mich erst mal zu bewerben. Und da liegt auch schon das große Problem: Wie rechtfertige ich die fast drei Jahre Arbeitslosigkeit?

Antwort

Sehr geehrte Frau ...,
ich kann verstehen, dass Sie nach drei Jahren Krankheit, Umschulung und Arbeitslosigkeit frustriert sind und wieder „an die Arbeit“ wollen. Ihrem Leben einen Sinn geben und sich wieder nützlich fühlen. Diese Einstellung ehrt Sie und ist auch einer der Grundbedingungen für ein erfülltes Leben und Ihr persönlicher Motivationsmotor.

Sie schreiben, Sie sind seit drei Jahren Arbeitslos. Da stimmt zwar, aber Sie haben ja auch etwas gemacht. Sie sind seit dem Krankheitsende in der Umschulung. Auch wenn Sie diese Umschulung noch nicht beendet haben (oder werden) haben Sie ja nicht einfach herumgesessen und „Däumchen“ gedreht. Nein, Sie waren in der Umschulung und haben dort neue Kompetenzen erlangt und fachlich Neues erlernt. Auch wenn diese neuen Kenntnisse nicht für Ihren Beruf als Krankenschwester nützlich sind, ist die dort verbrachte Zeit im Lebenslauf anzugeben. In wie weit die Umschulung und deren neu erlernten Qualifikationen nützlich für den Beruf bzw. der Bewerbung einer Krankenschwester sind kann ich Ihnen nicht sagen. Detaillierte Informationen zur Umschulung haben Sie mir leider nicht gegeben. Ich rate Ihnen daher die Zeit der Umschulung detailliert im Lebenslauf ihrer Bewerbungsmappe mit Angaben des Erlernten, neuen Kenntnissen, etc. anzugeben. Ergibt sich eine Verbindung zwischen der Umschulung und Ihres Berufs als Krankenschwester sollten Sie dies besonders hervorheben.

Komplizierter wird es für die Zeit der Krankheit selber. Das Wort Burnout oder Sinnkrise hört im Zusammenhang einer Personaleinstellung kein Personalentscheider gerne. Daher sollten Sie die beiden Begriffe generell vermeiden. Um Ihnen eine Alternative Wortwahl oder besser verständlichere Krankheitsumschreibung zu geben, können Sie sich auf die damalige Diagnose stützen. Unabhängig von der Krankheit und/oder deren Länge sollten Sie im Anschreiben und Lebenslauf klarmachen, dass Sie wieder gesund und fit sind. Ansonsten bekommt ein Personalentscheider das Gefühl, ein ähnliches Krankheitsbild könnte noch mal bei Ihnen vorkommen. Das sollte Sie ebenfalls vermeiden.

Fazit: Die Rechtfertigung, die keine ist, sollte sein, dass Sie NICHT drei Jahre arbeitslos waren, sondern neue Qualifikationen in der Zeit der Umschulung erlangt haben.