Wie kann man eine lange Arbeitslosigkeit begründen?

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Die Gründe für Lücken im Lebenslauf sind vielfältig. Sie reichen von Krankheit, über Ausbildungs- oder Studienabbruch bis hin zu Kündigung oder schlichtweg Startschwierigkeiten bei der Jobsuche. Grundsätzlich haben Sie in so einem Fall zwei Möglichkeiten, Ihre lange Arbeitslosigkeit zu begründen. Entweder Sie füllen diese mit sinnvollen Tätigkeiten, oder Sie sind ehrlich und finden eine plausible Erklärung dafür.

Lücken von mehr als drei Monaten sollten Sie unbedingt erklären können. Versuchen Sie bitte nicht, diese einfach zu verschweigen oder im Lebenslauf zu verstecken. Personaler lesen sich Ihren Lebenslauf immer gründlich durch und haben ein Gespür dafür, wenn Sie etwas verheimlichen wollen.

Fangen Sie auch nie im Anschreiben an, sich zu erklären oder gar zu rechtfertigen. Legen Sie den Fokus auf Ihre Eigenwerbung zu Ihrer Person und Ihrer Fähigkeiten.

Im Lebenslauf selbst werden auch nur kurze Angaben gemacht. Erläuterungen erfolgen dann im Vorstellungsgespräch.

Formulierungen im Lebenslauf

Machen Sie in Ihrer Bewerbung zu langer Arbeitslosigkeit so wenig Angaben wie möglich. Fehlzeiten von bis zu 3 Monaten können als Bewerbungsphase gelten. Für längere Zeiten legen Sie sich erst für das Vorstellungsgespräch eine plausible Begründung zurecht.
Verwenden Sie direkt im Lebenslauf positive Beschreibungen wie

  • arbeitsuchend / Arbeit suchend,
  • (aktive) Bewerbungsphase,
  • berufliche Neuorientierung,
  • Orientierungs- oder Weiterbildungsauszeit.

Erziehungszeiten müssen Sie nur angeben, wenn diese eine deutliche Lücke im Lebenslauf verursachen würden. Hier reicht ein kurzer Hinweis wie Erziehungszeit oder Elternzeit. Auch Pflegezeiten von Angehörigen können Sie mit angeben.

Auch die Monatsangaben im Lebenslauf wegzulassen, um Lücken zu verschleiern, macht eher misstrauisch.

Krankheit

Niemand ist gefeit vor Erkrankungen, Unfällen oder chronischen Leiden. Auch dadurch kann eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit entstehen.

Der Personaler sollte nie den Eindruck bekommen, dass diese Krankheit oder auch ein ähnliches Krankheitsbild Ihre Arbeitskraft beeinträchtigen könnte. Deshalb sollten Sie in einer Bewerbung z.B. die Worte Burn Out, Sinnkrise oder chronisch vermeiden.

Verwenden Sie Aussagen wie:

  • Genesungsphase
  • Auszeit nach Krankheit
  • Krankheitsbedingte Auszeit
  • Zeit für Rehabilitation nach Unfall

Versehen Sie diese Angaben immer mit dem Zusatz: Vollständig genesen und einsatzbereit.

Eine leichte Behinderung müssen Sie nicht erwähnen. Haben Sie jedoch eine Erkrankung oder Beeinträchtigung, die Sie in der Ausübung eines Jobs einschränkt oder besondere Arbeitsbedingungen erfordert, müssen Sie hierzu im Vorstellungsgespräch ehrliche Angaben machen. Dies sollten Sie aber schon aus eigenem Interesse tun.

Abbruch von Schule, Ausbildung oder Studium

Irren ist menschlich. Seien Sie ehrlich und sagen Sie, dass Sie sich in der Wahl der Ausbildung oder des Studiums geirrt haben und sich neu orientieren.

Eine folgende lange Arbeitslosigkeit im Lebenslauf lässt sich leicht mit Formalitäten des Ausbildungsbetriebes oder der Hochschule erklären. Füllen Sie diese „Wartezeiten“ jedoch möglichst mit sinnvollen Aktivitäten. Engagieren Sie sich je nach Voraussetzungen und Ausgangslage im sozialen, kaufmännischen oder handwerklichen Bereich.

Machen Sie dem Personaler deutlich, dass Sie sich für den aktuellen Berufsbereich aus Überzeugung entschieden haben.

Kündigung

Eine Kündigung kann Sie schneller treffen, als Sie glauben. Es gibt dafür vielfältige Gründe.

Diese rechtfertigen zwar keine längere Arbeitslosigkeit, ihre Erwähnung kann aber hilfreich bei der Erklärung der darauffolgenden Bewerbungs- oder auch Umorientierungsphase sein.

Verwenden Sie für die folgende Zeit der längeren Arbeitslosigkeit Formulierungen wie:

  • Berufliche Neuorientierung
  • (aktive) Bewerbungsphase
  • Orientierungsphase

Kündigung durch den Arbeitgeber

Kündigungen durch den Arbeitgeber sind gar nicht so selten und erfolgen immer aufgrund von:

  • Insolvenz des Unternehmens,
  • Betriebsbedingt durch z.B. schlechte Auftragslage,
  • Umstrukturierungen,
  • Größerer Personalabbau,
  • Schließung von Niederlassungen,
  • die Übernahme durch andere Unternehmen ohne Personalübernahme

Geben Sie den Grund einer solchen Kündigung immer mit an.

Kündigung in der Probezeit

Eine Probezeit ist für beide Seiten da, für den Arbeitnehmer und für den Arbeitgeber. Wie der Name schon sagt, wird in dieser Zeit getestet und geprüft, ob sich die Erwartungen und Vorstellungen beider Seiten decken.

Es sollte immer erkennbar sein, dass Sie sich aktiv um eine neue Stelle bemühen.

Eigene Kündigung

Es ist durchaus legitim, einen Job selbst zu kündigen. Nur sollten Sie diesen Umstand nicht erwähnen, wenn Sie bereits längere Zeit, also mehr als drei Monate, nicht arbeitstätig sind.

Eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit nach eigener Kündigung kann Ihnen bei einer Bewerbung negativ ausgelegt werden.

Stellen Sie sich vielleicht folgende Fragen, um eine plausible Erklärung zu finden:

  • Warum haben Sie gekündigt?
  • Was war der Auslöser?
  • Warum konnten Sie sich nicht aus diesem bestehenden Job heraus bewerben?

Und bedenken Sie bitte immer: Niemals negativ über den alten Arbeitgeber sprechen.

Wohnortwechsel

Lücken aufgrund von Orts- bzw. Wohnortwechseln sind nachvollziehbar. Sie müssen sich erst eingewöhnen und haben organisatorische Dinge zu bewältigen, Behördengänge erledigen, vielleicht die Kinder in Kita oder Schule anmelden. Dafür haben auch Personaler Verständnis, gerade wenn es sich um einen größeren Wechsel handelt, z.B. in ein anderes Bundesland oder Land.

Länger als drei bis sechs Monate sollten aber auch diese Zeit nicht dauern.

Eine Formulierung im Lebenslauf könnten lauten:

  • Einleben nach Wohnortwechsel
  • Organisation des Privatlebens nach Wohnortwechsel
  • (aktive) Bewerbungsphase nach Wohnortwechsel

Berufliche Neuorientierung

Nicht wenige kommen in ihrem Leben an einen Punkt, an dem Sie sich überlegen, etwas ganz Neues zu machen. Nicht selten ist diese Veränderung beruflicher Natur und geht mit einer Zeit der Besinnung auf grundlegende Werte und Gedanken über neue berufliche Möglichkeiten einher. Das kann natürlich auch eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit nach sich ziehen.

Begründen Sie Ihren Wechsel und verdeutlichen Sie Ihre Motivation. Machen Sie dem Personaler deutlich, dass Sie jetzt gestärkt und hoch motiviert neuen beruflichen Herausforderungen entgegensehen und sich darauf freuen.

Wiedereinstieg

Fortbildung, Umschulung
Sie haben eine Fortbildung oder Umschulung mit Erfolg abgeschlossen? Gratulation.

Aber auch hier kann im Anschluss eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit entstehen. Die Orientierung auf dem Arbeitsmarkt im neuen Berufsfeld kann durchaus mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Elternzeit
Auch in der Eltern- oder Erziehungszeit der Kinder bilden sich viele fort und bleiben so beruflich am Ball. Leicht ist es dann, wenn Sie in Ihren alten Job zurückgehen. Wenn Sie bei einem neuen Arbeitgeber anfangen möchten, sollten Sie die Elternzeit mit sinnvollen Aktivitäten füllen. Personaler sehen es gern, wenn Sie sich sinnvoll beschäftigt haben.

  • Was haben Sie also noch gemacht?
  • Womit haben Sie sich beschäftigt?
  • Haben Sie sich in der Kita engagiert oder Events organisiert?
  • Haben Sie vielleicht kleine Gruppen angeleitet, im Chor, beim Basteln oder im Sport?
  • Haben Sie einen privaten Sprachkurs belegt oder mit Yoga angefangen?

All das spricht für Ihre Soft Skills wie Führungskompetenz, soziales Engagement und Durchsetzungsvermögen. Ebenso für Ausgeglichenheit und Empathie. Geben Sie Ihre Aktivitäten deshalb immer an.

Auszeiten

Ein Sabbatical oder Sabbat ist eine längere Auszeit von Job und Alltag. Es kann Ihren Horizont erweitern und Schwung ins Privat- und Berufsleben bringen.

Auch ein längerer Auslandsaufenthalt oder eine Findungsphase wirken sich letztendlich immer positiv auf Ihre Arbeitskraft aus. Sie gehen physisch und psychisch gestärkt und mit Elan an neue Aufgaben.